Die Endlagersuche aus Sicht der Bevölkerung im Jahr 2026
Sechs zentrale Erkenntnisse über Einstellungen und Bedürfnisse der Bevölkerung zur Standortauswahl des Endlagers für hochradioaktive Abfälle
Meldung
Stand: 13.10.2026
Die Suche nach dem Endlagerstandort mit der bestmöglichen Sicherheit für die hochradioaktiven Abfälle Deutschlands steht vor einer neuen Phase. Ende 2027 sollen mit dem Standortregionenvorschlag die wenigen noch infrage kommenden Gebiete benannt werden, die die geologisch beste Eignung für den sicheren Bau und Betrieb eines Endlagers in Deutschland aufweisen.
Doch wie blickt die Bevölkerung auf dieses Thema? Unterstützen die Menschen die Endlagersuche in Deutschland? Sehen Bürger:innen einen Sicherheitsgewinn durch eine Lagerung der atomaren Abfälle tief unter der Erde? Wem vertraut die Bevölkerung bei diesem Thema? Und wie würden die Menschen vor Ort reagieren, sollte ihr eigener Wohnort Ende 2027 als potenzieller Standort ausgewählt werden?
Diese und weitere Fragen wissenschaftlich fundiert zu beantworten, ist für den selbsthinterfragenden, lernenden, transparenten, wissenschaftsbasierten und partizipativen Charakter des Standortauswahlverfahrens von großer Bedeutung. Deswegen bildet das BASE regelmäßig die Sicht der Bevölkerung auf die Endlagersuche ab. Dieser Artikel gibt einen Einblick in einige der zentralen Erkenntnisse aus der repräsentativen Befragungswelle von 2026.
1. Befürwortet die Bevölkerung die Endlagersuche in Deutschland?
Es gibt weiterhin einen breiten Konsens zur Endlagersuche in Deutschland. Die Zustimmung hat im Zeitverlauf leicht abgenommen, beträgt aber immer noch gut zwei Drittel in der Bevölkerung. Die Ablehnung liegt konstant bei nur rund einem Fünftel. Generell ist die Zustimmung zur Endlagersuche sowohl unter Befürworter:innen als auch Gegner:innen des Atomausstiegs hoch.
2. Wie wird der Sicherheitsgewinn durch ein Endlager tief unter der Erde eingeschätzt?
Nur eine kleine Minderheit in der Bevölkerung sieht in der tiefengeologischen Endlagerung keinen Sicherheitsgewinn im Umgang mit hochradioaktiven Abfällen. Die übergroße Mehrheit hält eine unterirdische Lagerung für sicherer als die oberirdische Zwischenlagerung. Auch hier spielt es keine Rolle, ob Menschen für oder gegen den Atomausstieg sind.
3. Wem vertraut die Bevölkerung beim Umgang mit hochradioaktiven Abfällen?
Die für das Standortauswahlverfahren verantwortlichen Akteure BASE, BGE und NBG genießen relativ hohes Vertrauen. Noch stärker vertrauen die Menschen der Wissenschaft. Energieunternehmen wird nur relativ geringes Vertrauen entgegengebracht.
4. Möchten sich die Menschen vor Ort ins Standortauswahlverfahren einbringen?
Sollte die eigene Region 2027 als eine der möglichen Standortregionen benannt werden, möchte sich jede zweite Person am weiteren Entscheidungsprozess beteiligen. Dieser Wert hat sich seit der Befragung aus 2020 nahezu verdoppelt.
5. Würden es Bürger:innen akzeptieren, sollte ihre Region als möglicher Endlagerstandort benannt werden?
Sollte die eigene Region als eine der wenigen Standortregionen für eine Erkundung ausgewählt werden, würden etwas mehr Menschen vor Ort diese Entscheidung anerkennen als ablehnen. Die Akzeptanzbereitschaft ist damit relativ hoch. Sie wird von der Bevölkerung außerdem deutlich unterschätzt. Während fast die Hälfte angibt, den Standortregionenvorschlag auch bei eigener regionaler Betroffenheit zu akzeptieren, glauben die Befragten, dass dies nur auf rund ein Viertel ihrer Mitbürger:innen vor Ort zutreffen würde.
6. Sollte die finale Endlagerregion einen finanziellen Ausgleich erhalten?
Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung (77 Prozent) befürwortet eine „besondere finanzielle Belohnung“ für die Region, in der das Endlager schlussendlich gebaut wird. Diese Zustimmung hat sich gegenüber 2024 nochmals klar erhöht. Bürger:innen befürworten eine solche Kompensation unabhängig davon, ob die eigene Region noch als Standort infrage kommt oder bereits aus dem Auswahlverfahren ausgeschieden ist.
Fazit
Eine deutliche Mehrheit von gut Zweidritteln der Bevölkerung spricht sich für die Endlagersuche in Deutschland aus. Dies gilt gleichermaßen für Befürworter:innen und Gegner:innen des Atomausstiegs. Außerdem teilt eine breite gesellschaftliche Basis (70 Prozent) die Einschätzung, dass eine tiefengeologische Endlagerung zu Sicherheitsgewinnen gegenüber der aktuellen, oberirdischen Lagerung führt. Die für die Endlagersuche verantwortlichen Verfahrensakteure BASE, BGE und NBG genießen mehrheitlich Vertrauen in der Bevölkerung.
Sollte die eigene Region Ende 2027 als eine der wenigen noch infrage kommenden Standortregionen benannt werden, möchte sich jede zweite Person vor Ort am weiteren Entscheidungsprozess beteiligen. Außerdem wird die lokale Akzeptanzbereitschaft häufig unterschätzt: Rund die Hälfte der Befragten gab an, den Standortregionenvorschlag auch dann zu akzeptieren, wenn die eigene Region ausgewählt würde. Gleichzeitig wünscht sich eine klare Mehrheit von Dreivierteln der Befragten, dass die Region, in der das Endlager schlussendlich gebaut wird, einen finanziellen Ausgleich erhält.
Die Ergebnisse sprechen für einen positiven gesellschaftlichen Konsens zur Endlagersuche in Deutschland. Damit dies auch nach Bekanntgabe der Standortregionen Ende 2027 so bleibt, wünscht sich die Bevölkerung Möglichkeiten zur Beteiligung. Gleichzeitig sprechen sich die Bürger:innen für eine faire Kompensation der final gewählten Endlagerregion aus.
Stand: 13.10.2026