00:00:00.800 --> 00:00:05.270 Wohin mit dem ganzen Müll? Zum Beispiel auch mit dem Atommüll. 00:00:05.280 --> 00:00:08.470 Das ist eine der zentralen Fragen unserer Zeit. 00:00:08.480 --> 00:00:13.630 In Deutschland wird fast alles recycelt. Papier, Kunststoffe, Glas. 00:00:13.640 --> 00:00:19.150 Aber – geht das auch mit Atommüll? Wäre recyceln wirklich möglich? 00:00:19.640 --> 00:00:21.350 Schauen wir doch einmal genauer hin. 00:00:21.360 --> 00:00:27.790 Tatsache ist: Die Nutzung der Kernenergie hat 27.000 Kubikmeter hochradioaktiven Abfall 00:00:27.800 --> 00:00:30.590 allein in Deutschland hinterlassen. 00:00:30.600 --> 00:00:34.510 Menschen und Umwelt müssen vor der gefährlichen Strahlung geschützt werden. 00:00:34.520 --> 00:00:41.550 Für hunderttausende Jahre. Dafür soll der Atommüll tief unter der Erde endgelagert werden. 00:00:41.560 --> 00:00:46.550 Zum Teil wird behauptet, auch hochradioaktiver Abfall ließe sich recyceln 00:00:46.560 --> 00:00:49.950 und damit eine Endlagerung fast überflüssig machen. 00:00:49.960 --> 00:00:55.150 Der Name dieser Theorie: Partitionierung und Transmutationstechnik. 00:00:55.160 --> 00:00:59.270 Für die Befürworter dieser Idee, soll es so funktionieren. 00:00:59.280 --> 00:01:03.790 Ähnlich wie beim Altglas, das für die Wiederverwertung nach Farben getrennt wird, 00:01:03.800 --> 00:01:08.790 würde man beim Recycling des Atommülls dessen verschiedene Bestandteile trennen. 00:01:08.800 --> 00:01:13.910 Langlebige Bestandteile wie zum Beispiel Uran und Plutonium würden abgetrennt 00:01:13.920 --> 00:01:18.110 und anschließend in kurzlebige Bestandteile umgewandelt werden. 00:01:18.120 --> 00:01:20.270 Energie ließe sich auch noch erzeugen. 00:01:20.280 --> 00:01:24.510 Die Logik: Was nicht lange strahlt, muss nicht lange gelagert werden. 00:01:24.520 --> 00:01:26.030 Soweit die Theorie. 00:01:26.040 --> 00:01:28.910 Ein vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung 00:01:28.920 --> 00:01:35.120 in Auftrag gegebenes wissenschaftliches Gutachten der Universität für Bodenkultur in Wien zeigt: 00:01:35.120 --> 00:01:38.560 Die Realität sieht ganz anders aus. 00:01:38.560 --> 00:01:42.040 Denn 40 Prozent der hochradioaktiven Abfälle in Deutschland 00:01:42.040 --> 00:01:48.120 kommen aus der Wiederaufarbeitung und eignen sich nicht für ein P&T Verfahren. 00:01:48.120 --> 00:01:51.200 Von den übrigen 60 Prozent aus den Atomkraftwerken, 00:01:51.200 --> 00:01:55.920 könnte nur ein Teil der langlebigen Stoffe in kurzlebige umgewandelt werden. 00:01:55.920 --> 00:01:56.960 Und vor allem: 00:01:56.960 --> 00:02:02.960 Bei der Umwandlung würden selbst wieder langlebige hochradioaktive Spaltprodukte entstehen: 00:02:02.960 --> 00:02:04.720 Also neuer Abfall. 00:02:04.720 --> 00:02:09.520 Am Ende könnte es, so das wissenschaftliche Gutachten, sogar mehr sein. 00:02:09.520 --> 00:02:13.080 An der Notwendigkeit eines Endlagers und an der Zeit 00:02:13.080 --> 00:02:18.720 in der die radioaktiven Abfälle darin verwahrt werden müssten, würde sich im Prinzip nichts ändern. 00:02:18.720 --> 00:02:23.360 Würde man das Partitionierungs- und Transmutationstechnik Konzept verfolgen, 00:02:23.360 --> 00:02:25.880 wären die Auswirkungen jedoch gravierend. 00:02:25.880 --> 00:02:29.280 Denn Jahrzehnte wären für Forschung und Entwicklung notwendig. 00:02:29.280 --> 00:02:31.840 Allein für den bis heute angefallenen Atommüll 00:02:31.840 --> 00:02:35.280 müssten eine Reihe neuer Kernreaktoren gebaut werden. 00:02:35.280 --> 00:02:40.240 Viele Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte müssten diese laufen. 00:02:40.240 --> 00:02:44.160 Im Prinzip wäre das Konzept der Partitionierung und Transmutation 00:02:44.160 --> 00:02:47.680 ein Wiedereinstieg in die Risiken der Kernenergie 00:02:47.680 --> 00:02:51.840 und keine Lösung für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle. 00:02:51.840 --> 00:02:56.360 Das Problem der nuklearen Entsorgung würde weiter in die Zukunft verschoben werden. 00:02:56.360 --> 00:02:59.920 Das ist das Ergebnis unseres Gutachtens.