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Die nukleare Kontroverse als Lernprozess: Kerntechnische Sicherheit als Aushandlungsprodukt von Politik, Atomwirtschaft und Zivilgesellschaft BASE-Forschungsprojekt

Themenfeld: Nukleare Sicherheit Status: laufend Finanzierung: BASE-Inhouse-Forschung

Die nukleare Kontroverse als Lernprozess: Kerntechnische Sicherheit als Aushandlungsprodukt von Politik, Atomwirtschaft und Zivilgesellschaft

Projektbeschreibung

Projektdaten

Förderkennzeichen
4726P90001
Ausführende Stelle
BASE-Forschungsabteilung | Ruhr-Universität Bochum (RUB) – Historisches Institut, Technik- und Umweltgeschichte, Prof. Dr. Frank Uekötter
Projektzeitraum
04.2026 - 03.2029
Art der Finanzierung
BASE-Inhouse-Forschung

Mit dem Ausbau der Kernenergie in den 1970er Jahren wuchs auch die öffentliche Debatte über ihre Risiken. Fragen der nuklearen Sicherheit wurden nicht länger ausschließlich von Fachleuten diskutiert: Bürgerinitiativen, Journalist:innen, Wissenschaftler:innen und politische Akteure begannen zunehmend, Sicherheitsstandards kritisch zu hinterfragen. Die Diskussion um Kernenergie entwickelte sich damit zu einem gesellschaftlichen Konfliktfeld, in dem unterschiedliche Vorstellungen von Sicherheit aufeinandertrafen.

Das Dissertationsprojekt mit dem Titel "Die nukleare Kontroverse als Lernprozess: Kerntechnische Sicherheit als Aushandlungsprodukt von Politik, Atomwirtschaft und Zivilgesellschaft" untersucht, wie sich nukleare Sicherheit in der Bundesrepublik Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Sicherheitsstandards nicht allein technisch festgelegt wurden, sondern im Zusammenspiel von Politik, Atomwirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft entstanden.

Dabei versteht das Projekt Sicherheit als Ergebnis gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse: Unterschiedliche Akteure definierten Risiken auf verschiedene Weise, stellten bestehende Sicherheitskonzepte infrage und beeinflussten politische sowie technische Entscheidungen.

Zentrale Forschungsfragen

Die Dissertation geht folgenden Fragen nach:

  • Welche Akteure waren an den Debatten über nukleare Sicherheit beteiligt?
  • Welche Vorstellungen von Sicherheit vertraten Politik, Wissenschaft, Atomwirtschaft und Zivilgesellschaft?
  • Welche Konflikte und öffentlichen Auseinandersetzungen trugen dazu bei, Sicherheitsstandards zu verändern?
  • Inwiefern kann die Entwicklung nuklearer Sicherheit als gesellschaftlicher Lernprozess verstanden werden?

Methodisches Vorgehen

Die Arbeit verbindet die Analyse öffentlicher Debatten mit historischen Fallstudien. Untersucht werden wissenschaftliche, politische und mediale Diskussionen über Kernenergie und ihre Risiken sowie der Wandel von Sicherheitsvorstellungen im Laufe der Zeit.

Im Fokus stehen unter anderem technische und organisatorische Fehler sowie journalistisch aufgedeckte Defizite innerhalb der Atombranche. Solche Ereignisse werden als Schlüsselmomente betrachtet, in denen gesellschaftliche Konflikte, politische Entscheidungen und technische Entwicklungen besonders sichtbar wurden.

Ziel der Forschung

Das Projekt möchte zeigen, wie eng technische Sicherheit mit gesellschaftlichen Debatten verbunden ist. Die Dissertation versteht nukleare Sicherheit nicht als rein technisches Problem, sondern als Ergebnis politischer, sozialer und wissenschaftlicher Aushandlungsprozesse.

Damit leistet die Arbeit einen Beitrag zum Verständnis moderner technologischer Risiken und der Frage, wie Gesellschaften mit Unsicherheit, Expertise und öffentlicher Kritik umgehen.

Das Forschungsprojekt wird im Rahmen des Doktorand:innenprogramms des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt.

Kontakt

Dr. Friederike Kelle , Leitung Fachgebiet F 2, Sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung

E-Mail friederike.kelle@base.bund.de