Zwischenlager Nord und Neubau Ersatztransportbehälterlager Lubmin
Das Zwischenlager Nord ist ein Lager für alle Arten radioaktiver Abfälle – sowohl für Kernbrennstoffe als auch schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Am Standort soll ein neues Zwischenlager für die dort bereits gelagerten Kernbrennstoffe gebaut werden.
Standort
Der Standort des Zwischenlagers Nord und das zukünftige Betriebsgelände des ESTRAL befinden sich auf dem Gelände der EWN in Lubmin / Rubenow im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern im Landkreis Vorpommern-Greifswald etwa 1 km entfernt vom Greifswalder Bodden und von der Spandowerhagener Wiek. Am Standort befindet sich auch das stillgelegte Kernkraftwerk Greifswald, das derzeit zurückgebaut wird.
Im 10-km-Umkreis vom Standort Lubmin / Rubenow leben ca. 26.000 Einwohner. Weiter entfernt liegen die Städte Wolgast mit ca. 12.000 und Greifswald mit ca. 60.000 Einwohnern.
Die radiologische Vorbelastung am Standort wird verursacht durch Ableitungen aus Anlagen und Einrichtungen in der Umgebung. Dazu zählen z.B. das Abfalllager Zwischenlager Nord, die Zentrale Dekontaminations- und Wasseraufbereitungsanlage, die Zentrale Aktive Werkstatt und die in Bau bzw. in Planung befindliche Zerlegehalle und das Beton-Bearbeitungs-Zentrum.
Neugenehmigungsverfahren – aktueller Stand
Am 29. Mai 2019 hat die EWN Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (vormals Energiewerke Nord GmbH) einen Antrag auf Genehmigung eines Neubaus zur Aufbewahrung der Kernbrennstoffe gestellt. Die EWN beabsichtigt, neben dem bisherigen Zwischenlager ein neues Gebäude zu errichten. Das neue Gebäude dient als Ersatz für das derzeitige Transportbehälterlager (ESTRAL) im Hallenbereich 8 des Zwischenlager Nord. Dort sollen ausschließlich die bisher in Halle 8 zwischengelagerten 74 Transport- und Lagerbehälter umgelagert werden.
Die beantragte Aufbewahrung erstreckt sich bis 2051 für den letzten 2011 eingelagerten Behälter. Eine Aufbewahrung der Behälter ist – wie bisher – für 40 Jahre ab dem Verschluss der jeweiligen Behälter beantragt. Zusätzlich zu den 74 Stellplätzen für die Castor-Behälter sind 12 Ausweichstellplätze vorgesehen, um die Castor-Behälter bei Wartungsarbeiten am Lagergebäude umstellen zu können. Das Lagergebäude soll als Stahlbetonbau errichtet werden mit maximalen Abmessungen von 130 m Länge, 54 m Breite und einer Höhe von 24 m.
Zur Beteiligung der Öffentlichkeit hat vom 1.-2. November 2022 ein Erörterungstermin in Greifswald stattgefunden, in dem die Stellungnahmen der Einwender:innen diskutiert wurden. Sie werden im weiteren Genehmigungsverfahren berücksichtigt. Im Vorfeld des Erörterungstermins waren die Unterlagen (siehe Seitenende) über die Planungen der EWN öffentlich sowohl analog als auch digital einsehbar.
Der Bearbeitungsstand des Neugenehmigungsverfahrens ist in der folgenden Tabelle aufgeschlüsselt.
| Prüffelder | Status der Bearbeitung |
|---|---|
| Sicherung | |
| Konventionelle Anlagensicherung | Antragsunterlagen wurden teilweise eingereicht. |
| IT-Sicherheit | Antragsunterlagen wurden teilweise eingereicht. |
| Gezielter Flugzeugabsturz | Antragsunterlagen wurden weitgehend eingereicht. |
| Sicherheit | |
| Lagerspezifische Prüfung | Antragsunterlagen wurden weitgehend eingereicht, diese werden derzeit geprüft. |
| Behälterspezifische Prüfung | Antragsunterlagen wurden weitgehend eingereicht, diese werden derzeit geprüft. |
| Inventarspezifische Prüfung | Antragsunterlagen wurden weitgehend eingereicht, diese werden derzeit geprüft. |
Zwischenlager Nord
Im Zwischenlager Nord behandelt und lagert das bundeseigene Unternehmen EWN alle Arten radioaktiver Abfälle – sowohl Kernbrennstoffe als auch schwach- und mittelradioaktive Abfälle.
Das Zwischenlager Nord wurde zwischen 1994 und 1997 errichtet und 1999 mit der Einlagerung des ersten Behälters in Betrieb genommen. Das Gebäude besteht aus einem achtschiffigen Hallenkomplex zur Lagerung radioaktiver Abfälle. Das Zwischenlager nimmt die radioaktiven Abfälle auf, die beim Rückbau der Kernkraftwerke Greifswald und Rheinsberg anfallen. Zusätzlich wurde die Einlagerung von Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe sowie Brennstäbe aus dem ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe und des nuklearbetriebenen Forschungsschiffes „Otto Hahn“ gestattet.
Die Halle 8 dient der Aufnahme von Kernbrennstoffen und bildet mit einem Hilfsmittelraum, einer Verladehalle, einer Wartungszelle mit Grube und einem nördlichen Anbau mit Büros, Laboren und technischen Einrichtungen das Transportbehälterlager. Das Büro- und Dienstgebäude sowie ein Wachgebäude werden sowohl vom Transportbehälterlager als auch vom Abfalllager genutzt. Das Abfalllager ist bautechnisch vom Transportbehälterlager getrennt.
Lagerbelegung
Lagerbelegung
Im Zwischenlager Nord werden Behälter des Typs CASTOR® 440/84, CASTOR® 440/84 mvK, CASTOR® KRB MOX, CASTOR® KNK und CASTOR® HAW 20/28 CG gelagert. In diesen Transport- und Lagerbehältern befinden sich die bestrahlten Brennelemente der Kernkraftwerke Rheinsberg und Greifswald, Brennstäbe und Glaskokillen aus Karlsruhe sowie Brennstäbe des nuklearbetriebenen Forschungs- und Frachtschiffes „Otto Hahn“. Außerdem wird dort Lagerkapazität für die staatliche Verwahrung von Kernbrennstoffen vorgehalten.
Erteilte Aufbewahrungsgenehmigungen
3. Änderungsgenehmigung zur Aufbewahrungsgenehmigung vom 5. November 1999 für das Transportbehälterlager des Zwischenlagers Nord in Rubenow vom 19. Dezember 2005 (nicht veröffentlicht, da diese Genehmigung erloschen ist)
Stand: 18.12.2025