Sicherheitsanforderungen für Endlager: WENRA veröffentlicht Disposal Report
Meldung
Stand: 04.11.2026
Wie sicher machen nationale Regelwerke die Anlagen zur Endlagerung radioaktiver Abfälle in Europa – und wie vergleichbar sind die dafür geltenden Anforderungen von Land zu Land? Antworten liefert der „Disposal Report“ der Western European Nuclear Regulators' Association (WENRA), der die Umsetzung gemeinsamer Sicherheitsanforderungen für Endlager in den Mitgliedstaaten dokumentiert. Für Deutschland hat das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) das nationale Benchmarking durchgeführt. Der vollständige Disposal Report 2026 ist auf der Publikationsseite der WENRA abrufbar.
„Auch ohne eigene Kernkraftwerke im Leistungsbetrieb bleibt die internationale Zusammenarbeit für die nukleare Sicherheit in Deutschland zentral. Mit dem Abschluss des Disposal Benchmarkings zeigen wir, dass unser Regelwerk zur Endlagerung dem europäischen Vergleich standhält, und leisten zugleich einen Beitrag zur Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit“, so BASE-Präsident Christian Kühn.
Die WENRA-Arbeitsgruppe WGWD: Sicherheitsanforderungen für Entsorgung und Rückbau
Die 1999 als freiwilliges, informelles Netzwerk westeuropäischer Aufsichts- und Genehmigungsbehörden gegründete WENRA, umfasst heute 19 Mitglieder. Kernanliegen der WENRA ist der Austausch der für nukleare Sicherheit verantwortlichen Behörden über Kriterien und Maßnahmen zur Sicherstellung eines hohen Sicherheitsniveaus – sogenannte Safety Reference Levels (SRL) – für die rund 150 in den Mitgliedsländern betriebenen Kernkraftwerke, Zwischenlager, Endlager und Konditionierungsanlagen.
Innerhalb der WENRA ist die Working Group on Waste and Decommissioning (WGWD) für die Harmonisierung von Sicherheitsanforderungen an Zwischenlager, Entsorgungsanlagen, Verarbeitung radioaktiver Abfälle und den Rückbau kerntechnischer Anlagen zuständig. Für den Themenkomplex der Endlagerung hat die WENRA 2014 insgesamt 108 SRL verabschiedet. Auf dieser Grundlage überprüft die WGWD in einem zweistufigen Verfahren – Selbstbewertung der Mitgliedstaaten, anschließende Prüfung und Bestätigung im Plenum –, in welchem Umfang die einzelnen Staaten diese Anforderungen in ihr nationales Regelwerk übernommen haben. Die Ergebnisse werden in öffentlich zugänglichen Berichten dokumentiert und tragen so zur Vergleichbarkeit und schrittweisen Angleichung der Sicherheitsniveaus in Europa bei.
Deutschlands Mitwirkung trotz Ausstiegs aus der Kernenergienutzung
Deutschland hat die gewerbliche Stromerzeugung aus Kernenergie beendet, bleibt jedoch WENRA-Mitglied. Die Aufgaben der zuständigen Aufsichtsbehörden reichen über den Leistungsbetrieb von Kernkraftwerken hinaus: Der Rückbau bestehender Anlagen, der sichere Betrieb von Zwischenlagern und die laufende Suche nach einem Endlagerstandort sind langfristige, über Jahrzehnte angelegte Aufgaben. Für sie bleibt der internationale Austausch über Sicherheitsanforderungen von Bedeutung – nicht zuletzt, weil sich technische und politische Entwicklungen im Ausland auf die deutsche Aufgabenwahrnehmung auswirken können. Als WENRA-Mitglied ist das BMUKN verpflichtet, das nationale Regelwerk regelmäßig – bislang in zehnjährigem, künftig in fünfjährigem Turnus – einem Benchmarking anhand der WENRA-SRL zu unterziehen.
Das BASE verantwortet im Auftrag von BMUKN die Durchführung des deutschen Disposal Benchmarkings und berät das BMUKN im Vorfeld der WENRA-Plenarsitzungen.
Der Disposal Report 2026: Ergebnisse und Bedeutung für Deutschland
- Auf der 55. WGWD-Sitzung 2026 wurde das deutsche Disposal Benchmarking abgeschlossen: das deutsche Regelwerk erfüllte vollständig oder gleichwertig 103 der 108 Safety Reference Levels. 5 SRL werden auf Ebene der Genehmigung geregelt und sind daher mit „C“ (Nachweis im gesetzlichen Regelwerk noch nicht vollständig erbracht) bewertet, ohne unter Sicherheitsgesichtspunkten ein Defizit darzustellen.
- Zu berücksichtigen ist, dass dem deutschen Disposal Benchmarking der Regelwerksstand von 2017 zugrunde liegt – ein Vorgehen, das dem anderer WENRA-Mitglieder entspricht. Regulatorische Entwicklungen neueren Datums sind daher in diesem Benchmarking nicht abgebildet und werden erst im nächsten, dann fünfjährigen Zyklus berücksichtigt.
- Der Prozess erstreckte sich – aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen – über den Zeitraum 2017 bis 2026 und beanspruchte über mehrere Jahre erhebliche personelle Ressourcen des BASE, unter anderem der für internationale Zusammenarbeit, die Endlagerung und die Sicherheitsbewertung zuständigen Organisationseinheiten.
- Mit der Teilnahme erfüllt Deutschland die im Rahmen der WENRA eingegangene Selbstverpflichtung, das nationale Regelwerk regelmäßig anhand der geltenden Safety Reference Levels zu überprüfen und sich aktiv an europäischen Harmonisierungs- und Vergleichsprozessen zu beteiligen. Zugleich leistet das Benchmarking einen Beitrag zur Transparenz des deutschen Sicherheitsniveaus im Bereich der Endlagerung.
Stand: 04.11.2026