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Der World Nuclear Industry Status Report 2025 zur internationalen Atomenergie

SMR, Fukushima und Stilllegungen

Pressemitteilung

Stand: 21.01.2026

Der World Nuclear Industry Status Report 2025 zur internationalen Atomenergie
Vorstellung des WNISR 2025 in Berlin: Phred Dvorak, Mycle Schneider, Ruggero Schleicher-Tappeser und BASE-Präsident Christian Kühn (v.l.n.r.)

Wo werden Atomkraftwerke gebaut und wo welche außer Dienst gestellt? Welche Mittel werden für neue Reaktormodelle bereitgestellt? Wie sehen die zeitlichen und finanziellen Perspektiven aus? Antworten auf diese Fragen bietet der jährlich erscheinende „World Nuclear Industry Status Report“ (WNISR).

Der WNISR wird von einem internationalen Expert:innen-Team um Herausgeber Mycle Schneider erarbeitet und liefert seit 2007 jährlich ein Update zum aktuellen Status der weltweiten Nuklearindustrie. Der Report stützt sich dabei auf öffentlich zugängliche, nachprüfbare Quellen. Der aktuelle Bericht behandelt wirtschaftliche sowie technische Aspekte.

Der Bericht befasst sich dieses Jahr eingehend mit den Projektplanungen von Small Modular Reactors (SMR) weltweit, dem Stand der Aufräumarbeiten in Fukushima oder dem Status von Rückbau und Kernkraftwerken. In einer Sonderanalyse geht es um die Systemkompatibilität von Kernkraft und Erneuerbaren Energien sowie um die Frage, ob diese komplementär einsetzbar oder widersprüchlich zu bewerten sind.

Bei der heutigen Deutschland-Vorstellung des WNISR betonte der Präsident des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), Christian Kühn:

„Der WNSIR zeigt deutlich, dass die prognostizierte Renaissance der Atomkraft klar ausbleibt. Der Anteil der Kernenergie an der globalen Stromerzeugung sinkt seit Jahrzehnten. Ebenso hebt der Statusbericht hervor, dass sogenannte Small Modular Reactors (SMR) noch sehr weit von einer kommerziellen Realität entfernt sind.“

Deutschland hat die gewerbliche Erzeugung von Elektrizität aus Atomkraft beendet und sich auf den Weg gemacht, ein sicheres tiefengeologisches Endlager für die atomaren Abfälle auszuweisen. Technische und politische Veränderungen im Ausland können einen direkten Einfluss auf die Aufgabenwahrnehmung des BASE im Bereich der nuklearen Sicherheit und Entsorgung haben. Zum Beispiel die Veränderungen bestehender internationaler Entsorgungskonzepte und -regelwerke: Es ist wichtig, aktuelle Trends und Entwicklung zu erkennen und für eine breite Öffentlichkeit verständlich aufzubereiten. Das BASE unterstützt deshalb gemeinsam mit anderen Institutionen das Vorhaben des WNISR 2025.

Die zentralen Ergebnisse des WNISR 2025

Der World Nuclear Industry Status Report (WNISR) wird seit 2007 jährlich von einem internationalen Expert:innen-Team erarbeitet und widmet sich dem aktuellen Status der weltweiten Nuklearindustrie. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung und fachliche Einordnung zentraler Ergebnisse des WNISR 2025.

Globale Entwicklung der Atomenergie

Mit Blick auf die Gesamtentwicklung bestätigt der aktuelle Bericht viele der Trends und Entwicklungen, die bereits in den vergangenen Jahren festgestellt wurden. Besonders hervorzuheben ist dabei die fortlaufende Diskrepanz zwischen politischen Ankündigungen vieler Länder, die bereits seit Jahren einen massiven Ausbau der Kernenergie vorsehen, und der Realität, in der die globale Kapazität seit etwa 2018 auf einem Plateau verweilt. Im Jahr 2024 sind sieben neue Reaktoren ans Netz gegangen und vier Reaktoren wurden abgeschaltet, sodass am Ende des Jahres 2024 die Betriebskapazität auf insgesamt 369.4 GW anstieg.

Weiterhin wurde im Jahr 2024 mit 2.677 TWh mehr Elektrizität durch Kernenergie produziert als im Vorjahr, was jedoch vor allem durch den Ausbau in China zu begründen ist. China hat seit 2005 insgesamt 51 Reaktoren ans Netz gebracht und keine Reaktoren abgeschaltet. Außerhalb Chinas wurden im Zeitraum von 2005 bis 2024 insgesamt 53 Reaktoren ans Netz gebracht und 101 abgeschaltet, was in einem Netto-Rückgang von 48 Reaktoren resultiert.

Atomenergie im Kampf gegen den Klimawandel?

Investitionen und Fördermaßnahmen auf europäischer und internationaler Ebene werden zunehmend mit dem Argument gerechtfertigt, dass die Kernenergie als emissionsarme Technologie eine tragende Rolle beim Kampf gegen den Klimawandel einnehmen soll. Der WNISR 2025 liefert in diesem Zusammenhang drei wichtige Erkenntnisse:

Erstens zeigt der Bericht, dass die globalen Kapazitäten erneuerbarer Energien deutlich schneller wachsen als die der Kernenergie (Zuwachs um 460 GW bei Solar- und Windenergie, Abnahme von 1 GW bei Kernenergie). Hinzu kommt, dass sogenanntes „Firming“ – die Kombination von erneuerbaren Energiequellen mit anderen Energieträgern sowie Speicherkapazitäten – stetig kosteneffizienter wird und in einigen Bereichen bereits günstiger als die Kernenergie ist.

Zweitens weisen zahlreiche Neubauprojekte Verzögerungen im Bau und steigenden Kosten auf, sodass die endgültigen Kosten der neuen Kernkraftwerke oft deutlich über den ursprünglich veranschlagten Kosten liegen.

Drittens kann im Falle der Kernenergie nicht von einer „Sofortmaßnahme“ im Kampf gegen den Klimawandel gesprochen werden. Neben den genannten Verzögerungen bei Neubauprojekten ist aufgrund des stetig steigenden Alters der globalen Reaktorflotte (Durchschnittsalter: 32 Jahre) in den kommenden Jahren mit weiteren Abschaltungen zu rechnen. Eine Verdreifachung der nuklearen Kapazität bis zum Jahr 2050, wie etwa auf der Weltklimakonferenz 2023 angekündigt, erscheint vor diesem Hintergrund nicht realistisch.

Der Bericht wirft somit die Frage auf, ob sich Investitionen in die Kernenergie in Milliardenhöhe – Investitionen, die nicht in erneuerbare Energien fließen – nicht insgesamt kontraproduktiv auf die Bekämpfung des Klimawandels auswirken. Bemerkenswert ist, dass diese Analyse sich aus einer ausschließlichen Betrachtung von wirtschaftlichen Faktoren und Zeithorizonten ergibt; die im Zusammenhang mit der Atomkraft ebenfalls wichtigen Entsorgungs- und Sicherheitsrisiken werden im Bericht nicht explizit behandelt.

Rolle Russlands und fortbestehende Abhängigkeiten der EU

Russland spielt laut WNISR 2025 weiterhin eine entscheidende internationale Rolle im Bereich der Kernenergie. Mit insgesamt 20 Neubauprojekten in sieben Ländern – darunter auch das erste Kernkraftwerk in der Türkei – baut Russland bzw. der Staatskonzern Rosatom mit Abstand mehr Reaktoren im Ausland als andere Länder. China führt dagegen nur ein Neubauprojekt in Pakistan durch.

Der Bericht zeigt, dass auch die EU trotz Sanktionen weiterhin stark abhängig von Russland ist. Der Nuklearsektor ist derzeit von Sanktionen gegen Russland noch ausgenommen. Der Anteil russischer Lieferungen von natürlichem Uran stieg 2023 im Vergleich zum Vorkriegsjahr 2021 sogar an. Im Rahmen des REPowerEU-Fahrplans verfolgt die EU die phasenweise Beendigung von Abhängigkeiten vom russischen Nuklearsektor, allerdings ist eine vollständige Unabhängigkeit erst bis 2030 vorgesehen.

Small Modular Reactors

Wie schon in den Vorjahren kommt der WNISR 2025 zu dem Schluss, dass es trotz zunehmender finanzieller und politischer Förderung kaum Fortschritte bei der Kommerzialisierung von Small Modular Reactors (SMR) gibt. Bestehende Projekte in westlichen Ländern kämpfen mit steigenden Kosten.

Stand: 21.01.2026