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Zwischenlager Ahaus

Das Zwischenlager Ahaus ist ein Zwischenlager zur Aufbewahrung von ausgedienten Brennelementen aus Atomkraftwerken und Forschungsreaktoren sowie von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen, die beim Betrieb und der Stilllegung von AKW anfallen.

Zwischenlager Ahaus

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Standort und Lagerbelegung

Das Transportbehälterlager Ahaus ist ein Lager zur Aufbewahrung von Kernbrennstoffen und zur Lagerung von sonstigen radioaktiven Stoffen. Das Lager befindet sich auf dem Gebiet der Stadt Ahaus, etwa 3 Kilometer östlich des Stadtzentrums. Betrieben wird das Lager von der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH und der BZA Brennelement-Zwischenlager Ahaus GmbH.

Das Transportbehälterlager Ahaus wurde zwischen 1984 und 1990 errichtet. Die Lagerhalle besteht aus zwei durch einen Empfangs- und Wartungsbereich voneinander getrennten Lagerhallenhälften (Lagerbereiche I und II):

  • Der Lagerbereich I dient bis auf weiteres der Zwischenlagerung von sonstigen radioaktiven Stoffen gemäß §12 Strahlenschutzgesetz (siehe hierzu Hintergrund zur 6. Änderungsgenehmigung).
  • Der Lagerbereich II dient derzeit der Aufbewahrung von Brennelementen aus Leichtwasserreaktoren, von Brennelementen aus dem Rossendorfer Forschungsreaktor und von Brennelementen aus dem Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop gemäß § 6 Atomgesetz.

Erteilte Aufbewahrungsgenehmigungen

Erteilte Aufbewahrungsgenehmigungen

Die Aufbewahrungsgenehmigung des BfS vom 7. November 1997 gilt bis zum 31. Dezember 2036. Dementsprechend dürfen im Transportbehälterlager Ahaus maximal 3.960 Megagramm (= 3.960 Tonnen) Kernbrennstoff eingelagert werden.

Diese Genehmigung umfasst Kernbrennstoffe in Form bestrahlter Brennelemente aus Leichtwasserreaktoren in CASTOR-Behältern auf 370 Stellplätzen sowie in Form von Brennelementen des stillgelegten Thorium-Hoch-Temperatur-Reaktors (THTR-Reaktor), die in 305 kleinen CASTOR-Behältern auf weiteren 50 Stellplätzen stehend aufbewahrt werden.

1. Änderungsgenehmigung

Die 1. Änderungsgenehmigung erteilte das BfS am 17. Mai 2000. Damit dürfen auch Kernbrennstoffe in Form von

  • WAU-BE (Brennelemente aus wiederaufbereitetem Uran),
  • Uran-BE mit erhöhter Schwermetallmasse und erhöhter Anfangsanreicherung sowie
  • MOX-BE (Mischoxid-Brennelemente) mit erhöhter Schwermetallmasse und mit einem erhöhten Gehalt an spaltbarem Plutonium

aus Druckwasserreaktoren (DWR) in Transport- und Lagerbehältern der Bauart CASTOR V/19 SN 06 aufbewahrt werden.

2. Änderungsgenehmigung

Die 2. Änderungsgenehmigung erteilte das BfS am 24. April 2001. Genehmigungsinhalte waren Festlegungen zu den maximal zulässigen Wärmeleistungen der Behälterbauarten, zum Abfertigungsverfahren bei Verwendung einer silberummantelten Metalldichtung für die CASTOR-Behälter, zu geänderten technischen Annahmebedingungen und zur Lagerbelegung.

3. Änderungsgenehmigung

Am 30. März 2004 erteilte das BfS die 3. Änderungsgenehmigung. Damit werden nicht nur abgebrannte Brennelemente aus Leistungsreaktoren aufbewahrt, sondern es dürfen auch Brennelemente aus dem Forschungsreaktor Rossendorf in 18 Behältern der Bauart CASTOR MTR2 eingelagert werden. Die CASTOR MTR2 Behälter werden zusammen mit den 305 CASTOR THTR/AVR Behältern aufbewahrt, ohne zusätzliche CASTOR V Stellplätze zu belegen.

4. Änderungsgenehmigung

Die 4. Änderungsgenehmigung erteilte das BfS am 4. Juli 2008. Damit dürfen die Lüftungsöffnungen der gesamten Lagerhalle auch vollständig geschlossen bleiben. Die Gesamtwärmeleistung der eingelagerten Transport- und Lagerbehälter darf dabei 75 Kilowatt (kW) nicht überschreiten.

5. Änderungsgenehmigung

Am 22. Dezember 2008 erteilte das BfS die 5. Änderungsgenehmigung. Damit wird die im gesonderten Schreiben zur Anlagensicherung aufgeführte Änderung von Sicherungseinrichtungen genehmigt.

6. Änderungsgenehmigung

Am 26. Mai 2010 erteilte das BfS die 6. Änderungsgenehmigung. Damit wird der Betrieb des Transportbehälterlager Ahaus mit Änderungen am 1.400-Kilonewton-Lagerhallenkran sowie Änderungen am Lagerbehälterüberwachungssystem gestattet. Die Änderungen stehen in Zusammenhang mit der Nutzung der Lagerhalle I des Transportbehälterlagers Ahaus für die Zwischenlagerung von sonstigen radioaktiven Stoffen gemäß Paragraph 7 Strahlenschutzverordnung (StrlSchV). Die dafür erforderliche Genehmigung nach Paragraph 7 StrlSchV hatte die Bezirksregierung Münster am 9. November 2009 erteilt.

Hintergrund zur 6. Änderungsgenehmigung:

Die Brennelement-Zwischenlager Ahaus GmbH (BZA) und die Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS) hatten die vorübergehende Zwischenlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen im westlichen Teil der beiden Lagerbereiche (Lagerbereich I) des TBL Ahaus für maximal zehn Jahre bei der Bezirksregierung Münster beantragt. Da es sich hier um ein Genehmigungsverfahren nach Paragraph 7 StrlSchV handelte, war nicht das BfS, sondern die Bezirksregierung Münster die zuständige Genehmigungsbehörde, die die entsprechende Genehmigung am 9. November 2009 erteilte. Diese Genehmigung wurde auf 10 Jahre, beginnend mit der Einlagerung der ersten radioaktiven Stoffe, befristet; die Befristung endet am 20. Juli 2020. Mit Schreiben vom 29. August 2016 haben die GNS und die BZA bei der Bezirksregierung Münster erneut eine Umgangsgenehmigung nach § 7 StrlSchV für die Zwischenlagerung sonstiger radioaktiver Stoffe im Lagerbereich I über den bisherigen 10-Jahreszeitraum hinaus beantragt. Am 17. Juli 2020 hat die Bezirksregierung Münster eine daran anschließende Genehmigung nach Paragraph 12 Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) erteilt, die die Aufbewahrung dieser radioaktiven Stoffe bis zum 31.12.2057 im Lagerbereich I des TBL Ahaus gestattet.

Eine gleichzeitige Nutzung des Lagerbereichs I nach Paragraph 12 Strahlenschutzgesetz für die Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen und Paragraph 6 Atomgesetz (AtG) für die Aufbewahrung von Kernbrennstoffen ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Eine Prüfung, ob zur Erteilung der 6. Änderungsgenehmigung eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchzuführen ist, ergab, dass dies nicht erforderlich sei.

7. Änderungsgenehmigung

Das BfS erteilte die 7. Änderungsgenehmigung (nichtamtliche Lesefassung*) am 8. Februar 2016. Mit ihr wird der GNS und der BZA die Erweiterung des baulichen Schutzes des TBL Ahaus gegen Störmaßnahmen und sonstige Einwirkungen Dritter (SEWD) gestattet. Die beabsichtigten Maßnahmen dienen der Optimierung der Sicherungsmaßnahmen. Zu ihrer Realisierung ist auch eine baurechtliche Genehmigung durch die Stadt Ahaus erforderlich.

8. Änderungsgenehmigung

Am 21. Juli 2016 hat das BfS die 8. Änderungsgenehmigung (nichtamtliche Lesefassung*) zur Aufbewahrungsgenehmigung für das TBL Ahaus erteilt. Diese gestattet die Aufbewahrung von 152 Transport- und Lagerbehältern der Bauart CASTOR THTR/AVR mit Kernbrennstoffen in Form von bestrahlten kugelförmigen Brennelementen und Betriebselementen aus dem ehemaligen Betrieb des Versuchsreaktors der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor Jülich (AVR-Inventar).

Hintergrund zur 8. Änderungsgenehmigung:

Die Kernbrennstoffe in diesen 152 Transport- und Lagerbehältern werden derzeit im AVR-Behälterlager der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen mbH (JEN) auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich aufbewahrt. Die Aufbewahrung der Behälter im AVR-Behälterlager erfolgt, da die Genehmigung nach § 6 AtG für das AVR-Behälterlager am 30. Juni 2013 nach Ablauf der genehmigten Aufbewahrungszeit von 20 Jahren ausgelaufen ist, seit dem 1. Juli 2013 auf Grundlage von Anordnungen nach § 19 Abs. 3 AtG, die die atomrechtliche Aufsichtsbehörde, das Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen (MWEIMH), erlassen hat. In diesem Rahmen hat das MWEIMH am 2. Juli 2014 angeordnet, dass die Kernbrennstoffe unverzüglich aus dem AVR-Behälterlager zu entfernen sind und ihr Verbleib bei einem zum Besitz Berechtigten nach § 5 Abs. 1 Satz 1 sicherzustellen ist. Mit der Erteilung der 8. Änderungsgenehmigung für das TBL Ahaus sind dessen Betreiber, die GNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH und die BZA Brennelement-Zwischenlager Ahaus GmbH, nunmehr zu deren Besitz berechtigt.

9. Änderungsgenehmigung

Am 01.08.2017 hat das BASE die 9. Änderungsgenehmigung (nichtamtliche Lesefassung *) zur Aufbewahrungsgenehmigung für das TBL Ahaus erteilt.

Diese gestattet das Hinzutreten der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH (BGZ) als zusätzlichen Genehmigungsinhaberin. Mit Hinzutreten der BGZ wird das Ausscheiden der Gesellschaft für Nuklearservice mbH (GNS) genehmigt.

10. Änderungsgenehmigung

Am 25.08.2025 hat das BASE die 10. Änderungsgenehmigung (nichtamtliche Lesefassung*)zur Aufbewahrungsgenehmigung für das TBL Ahaus erteilt.

Diese gestattet die Aufbewahrung von bis zu 21 Behältern der Bauart Castor MTR3 aus dem Forschungsreaktor der Technischen Universität München im Lagerbereich II des Zwischenlagers Ahaus.

*Unter dem Begriff "nicht-amtliche Lesefassung" ist die Zusammenfassung des in den einzelnen Genehmigungen (Grundgenehmigung plus Änderungsgenehmigungen) ausgesprochenen Gestattungsrahmens ohne genehmigende Wirkung zu verstehen.

Aktuelle Genehmigungsverfahren

Aktuelle Genehmigungsverfahren

In den folgenden laufenden Genehmigungsverfahren werden derzeit die Antragsgegenstände nach dem Stand von Wissenschaft und Technik geprüft.

Darüber hinaus ist für jedes Änderungsvorhaben anhand einer Vorprüfung nach dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) festzustellen, ob die Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung, die ein formales Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren einschließt, besteht.

Austausch des vorhandenen Lagerhallenkrans

Mit Schreiben vom 2. April 2013 bzw. mit Schreiben vom 3.April 2013 haben die GNS und die BZA den Austausch des vorhandenen Lagerhallenkrans zur Erfüllung der erhöhten Anforderungen nach KTA 3902 Abschnitt 4.3 nach § 6 AtG beantragt.

UVP-Prüfung

Aufbewahrung von Brennelementen aus deutschen Forschungsreaktoren

Mit Datum vom 07.05.2020 hat die BGZ um Fortführung des atomrechtlichen Genehmigungsverfahrens zur Aufbewahrung der Brennelemente des Berliner Experimentierreaktor (BER II) des Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) in Transport- und Lagerbehältern der Bauart CASTOR MTR3 gebeten.

Die beantragte Aufbewahrung von bestrahlten Brennelementen aus deutschen Forschungsreaktoren ist Teil des umfassenden gemeinsamen Antrags der BZA und der GNS vom 15. September 1995.

Aufbewahrung von hochdruckkompaktierten radioaktiven Abfällen

Mit Schreiben vom 20. Dezember 2006 haben die BZA und die GNS die Aufbewahrung von hochdruckkompaktierten radioaktiven Abfällen (CSD-C, Colis Standard de Déchets radioactifs Compactés) in Transport- und Lagerbehältern einer neuen Bauart im östlichen Lagerbereich II nach Paragraph 6 AtG beantragt.

Danach sollten ca. 152 Behälter mit CSD-C-Gebinden in das TBL Ahaus eingelagert werden. Die Abfälle stammen aus der Wiederaufarbeitung bei der Orano (vormals AREVA NC, COGEMA) in La Hague und sind von Frankreich nach Deutschland zurückzuführen.

Im August 2021 haben die Energieversorgungsunternehmen mit der französischen Wiederaufbereitungsanlage und der Bundesrepublik Deutschland neue Verträge geschlossen, die u.a. das TBL Ahaus betreffen. Diese sahen vor, anstelle der ursprünglich ca. 152 Behälter mit hochdruck-kompaktierten Abfällen nun 30 leere, im Inneren kontaminierte Transportbehälter ins TBL zu verbringen. Für diese 30 Behälter ist eine Wiederverwertung vorgesehen.

Aufbewahrung von Brennelementen aus Forschungsreaktoren

In Deutschland betreiben Forschungseinrichtungen und Universitäten seit Jahrzehnten Reaktoren zu Forschungszwecken. Ihr Betrieb ist von dem Ausstieg aus der Atomkraft in Deutschland ausgenommen. Für die dort entstehenden hochradioaktiven Abfälle ist das zentrale Zwischenlager in Ahaus vorgesehen. Bereits seit Anfang der 90er Jahre existieren entsprechende Vereinbarungen mit der Stadt Ahaus.

Forschungsreaktoren, deren abgebrannte Brennelemente in Ahaus zwischengelagert werden sollen, sind die Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz in Garching bei München, der Berliner Forschungsreaktor BER II sowie perspektivisch der Forschungsreaktor TRIGA der Universität Mainz.

Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II)

Es ist vorgesehen, das Zwischenlager Ahaus für die Aufbewahrung von Brennelementen aus dem Forschungsreaktor der Technischen Universität München in Garching zu nutzen. Die Genehmigung zur Aufbewahrung von ausgedienten Brennelementen in bis zu 21 Behältern der Bauart Castor MTR3 ist vom BASE am 25. August 2025 erteilt worden.

AVR-Brennelemente Jülich

Das BASE hat 2016 die Aufbewahrung von 152 Behältern mit abgebrannten Brennelementen aus dem Jülicher AVR-Versuchsreaktor im Brennelemente-Zwischenlager Ahaus gestattet.

Der Antrag wurde gestellt, weil die Genehmigung zur Lagerung der Abfälle aus dem AVR Versuchsreaktor im Zwischenlager Jülich 2013 ausgelaufen ist, woraufhin die Atomaufsicht in Nordrhein-Westfalen 2014 die Räumung des Zwischenlagers anordnete. Die Beförderungsgenehmigung für den Transport der Brennelemente von Jülich nach Ahaus wurde vom BASE am 25. August 2025 erteilt. Weitere Informationen zum Transport der Behälter von Jülich nach Ahaus finden Sie hier.

Radiologische Fernüberwachung

Neben den im Rahmen der Umgebungsüberwachung vorgeschriebenen Messungen des Betreibers führt die atomrechtliche Aufsichtsbehörde Messungen durch, die tagesaktuell veröffentlicht werden:

Stand: 21.10.2026